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Mitarbeiter Gottes

Wie wird man eigentlich zu einem Mitarbeiter von Gott? Und was bedeutet es mit Gott zu arbeiten? Nun, er arbeitet und wir machen mit. Es gibt dabei einen göttlichen Beitrag und einen menschlichen Beitrag zu leisten. „Was menschliche Kraft ausführen kann, dazu ist keine göttliche berufen.“ (White, Leben Jesu, 527). Wodurch qualifiziert sich ein Mitarbeiter Gottes? Vielleicht an den Stunden gesammelter Erfahrung. Oder ein zeitaufwendiges Studium. Oder die bekannte Vitamin-B Tablette.

Nein, die Qualifikation des Mitarbeiters beruht auf einem gemeinsamen Auftrag. Als Jesus Christus auf der Erde lebte, war es sein Ziel, Menschen zu retten. Gottes Mitarbeiter arbeiten für dieses Ziel. „Gott will auf die Mitarbeit der Menschen nicht verzichten; er stärkt sie und arbeitet mit ihnen zusammen.“ (White, Leben Jesu, 527). Gott hat jedem Menschen Fähigkeiten und Verstand gegeben, um diese einzusetzen. Wer die ihm anvertrauten Gaben nützt, wie Gott es wünscht, wird zum Mitarbeiter Gottes. Er gewinnt Menschen für Jesus, weil er ihn und seinen Charakter repräsentiert (frei übersetzt. White, Leben Jesu, 515). Der Grund für den Erfolg eines Repräsentanten liegt in der Person, die er vertritt.

Das bedeutet, ein Mitarbeiter Gottes vertritt Gott selbst. Wer ist Gott und wie kann man ihn beschreiben? Die Bibel sagt in 1. Joh 4,8, dass „Gott die Liebe ist“, eine Eigenschaft dieser Liebe wird in 1. Kor 13,5 genannt, „sie sucht nicht das Ihre.“ Das bedeutet, Gott ist nicht auf sich selbst konzentriert, sondern er konzentriert sich auf sein Gegenüber. So eine Liebe ist anziehend. Sie ist attraktiv. Leider ist diese Liebe heute Mangelware. Denn am Ende der Zeit wird die Liebe in vielen kalt werden, weil die Gesetzlosigkeit zunimmt (siehe Mt 24,12).

Gott ist nicht auf sich konzentriert, sondern auf die Person, welche vor ihm steht. Lass mich das anhand einer biblischen Geschichte illustrieren.
Es wird in Lk 18,18-23 eine Begegnung zwischen Jesus und einem jungen Mann erzählt. Der junge Mann – ein Oberster – begegnet Jesus und stellt ihm die Frage: „Was muss ich getan haben, um ewiges Leben zu erben?“ (V. 18) Jesus sieht ihn an. Er erkennt, dass ein fähiger Mitarbeiter vor ihm steht. Der Herzenswunsch von Jesus Christus ist, diesen Mann so zu machen, wie er selbst ist. Er soll werden wie ein Spiegel, der ein perfektes Bild abgibt. Die unmittelbare Antwort auf die Frage ist überraschend. Eine Liste von Geboten.

Jesus geht dem Mann ein Stück auf seiner Lebenswelt entgegen. Die Antwort in Vers 21 sagt aus, dass der junge Mann die genannten Gebote seit seiner Jugendzeit gehalten hat. Beim genaueren Lesen fällt auf, dass nicht alle zehn Gebote genannt werden. Ein Vergleich mit 2. Mose 20 zeigt, dass es sich um die Gebote fünf bis neun handelt. Was fehlt sind die Gebote eins bis vier (Thema: Beziehung zu Gott) und das letzte Gebot (Thema: Neid/ Habsucht). Das heißt, von zehn Geboten sind fünf mit absoluter Genauigkeit gehalten worden. Immerhin sind das 50% – also mittelmäßig, ein guter Durchschnittswert, oder?! Kann es sein, dass Jesus absichtlich manche Gebote auslässt? Jak 2,10 macht deutlich: „Denn wer das ganze Gesetz hält, aber in einem strauchelt, ist aller Gebote schuldig geworden.“ Und das spricht Jesus aus (V. 22): „Eins fehlt.“ Was fehlte ihm? Wie spannend! Jesus sagt nicht: „Dir fehlt das Gebot Nr. X.“ Er spricht auch nicht: „Fünf fehlen dir!“
Dem Mann fehlt die Grundlage dafür, Gottes Gebote zu halten: Liebe.

Ich habe diese Geschichte schon oft gelesen ohne das zu sehen. Gott fordert uns nicht in erster Linie dazu auf, Opfer zu bringen, sondern ihn zu lieben. Wer liebt, dem ist es ein Leichtes, dem Wunsch dessen zu entsprechen, den man liebt. Kein Weg ist zu weit, keine Uhrzeit zu spät. Die Liebe macht das „Opfer“ leicht und natürlich. Aber ohne die Liebe ist der Wille Gottes für uns zu schwer. Ihn auszuführen oder seine Gebote zu halten, wird unmöglich.

Zurück zu dem jungen Mann. Was für eine traurige Tatsache! In ihm war der Wunsch durch sein Handeln Anerkennung zu erhalten. Seitdem er ein Kind war, hat er so gelebt. Wie viele Kinder haben diese Erfahrung gemacht, wie jener Jugendliche. Sie versuchen verzweifelt Aufmerksamkeit zu erhaschen, indem sie sich durch ihr Verhalten bemerkbar machen (egal, ob sie dafür „brave“ oder „böse“ Sachen tun). Aus diesen Kindern werden Teenager, Jugendliche und später Erwachsene, die meinen, dass sie Gott beeindrucken müssen, indem sie sich richtig verhalten.

Hier steht der Mann – liebesleer. Die Liebe Gottes ist ihm fremd. Jesus steht vor ihm. Sein Herz ist voll Liebe. Weil es die einzige Lösung ist, wie Liebe entsteht – sieht Jesus ihn an. Er zieht ihn mit Liebe zu sich („Er gewann ihn lieb.“ Mk 10,21) – und macht ihm ein großzügiges Angebot:
Er darf sein Mitarbeiter sein und dadurch Gott ähnlich werden.

Der junge Mann vergleicht das Angebot Jesu mit seinen Perspektiven und lukrativen Chancen. Auf der einen Seite stehen sichtbare und messbare Erfolge vor seinem inneren Auge. Sein Ruf, seine Arbeit, seine Kollegen – die Zeile kann beliebig ausgefüllt werden. Auf der anderen Seite gibt es das Angebot zur Mitarbeit mit dem Gott des Himmels und der Erde. Ein unsichtbares Erbe für das ewige Königreich. Doch er kann es nicht sehen. Er will nichts riskieren. Der Vergleich fällt zugunsten der sichtbaren Realität aus. Der junge Mann entscheidet nicht aus dem Glauben zu leben (2. Kor 5,7).
Er geht davon, sein Herz kann nicht gewonnen werden, weil er nicht die Liebe wählt.

Ein Mitarbeiter Gottes wird man durch die Hingabe an Gott. Es bedeutet, sich ihm zu überlassen. Wer seinen Auftrag annimmt, geht Seite an Seite mit Jesus an die Arbeit. Das hat er in Mt 11, 28-30 versprochen: „Kommt her zu mir alle ihr Mühseligen und Beladenen! Und ich werde euch Ruhe geben. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir! Denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen, denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“ Hier wird Gottes Wesen betont: Sanft, demütig, ruhig. Seine Liebe zieht – wenn wir ihr nicht widerstehen – uns zu ihm hin. Gott sehnt sich nach dir, du bist in seinen Augen wertvoll – weil er dich liebt (Jes 43,4). Sein Sohn Jesus, dein Bruder, möchte heute noch enger mit dir verbunden sein als gestern und die Tage oder Wochen zuvor. Ist es dein Wunsch mit ihm zu arbeiten? Bist du bereit den Auftrag anzunehmen und die Botschaft der Liebe neu auszuwählen?

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